Ich sehe was, was Du nicht siehst!...

Ich sehe was was Du nicht siehst

Die Freitagabend - Frage zum Wochenende: Wie vielen Chamäleons begegnest Du denn in der Woche so? ????
Die Frage war mein Ernst! 
Wie Du sicher weißt, gibt es da so Leute die, die Fähigkeit haben, sich in die Gruppe zu mischen, ohne dabei irgendwie Zeit zu verlieren. Sie sind sympathisch, gesellig und äußerst vertrauenerweckend und sie werden schnell in eine Gruppe mit eingebunden. Schnell freundet man sich an und schneller als man schauen kann sind sie nach kurzer Zeit schon, ein fester Bestandteil der Gruppe, mit der sie zusammen sind.
Ich weiß, sicher hast Du im Leben ein paar von diesen Typen getroffen und ja, vielleicht hast Du sogar einen geheiratet - Oder Du bist selbst eins… Ein Chamäleon… Einer dieser Typen eben.
Als Chamäleon bezeichnet man in Fachkreisen eine Person, die innerlich bereit ist über Leichen zu gehen, wenn es den unbedingt auch sein muss und das nur, um von den Leuten, mit denen sie zusammen sind, gemocht zu werden.

Er/Sie gilt als der Typ, der die großen Worte benutzt, wenn er mit seinen klugen und intellektuelleren Freunden zusammen ist. Er spricht auch mit seinen sportlichen Freunden, allerdings lediglich nur über spezielle Themen und das auch noch in einer Art und Weise, bei der auch seine persönliche Haltung, eine völlig andere ist als jene, wenn er mit klugen und intellektuelleren Freunden redet. Mal nimmt er, wenn er mit seinen Arbeitskollegen spricht, eine markante, teilweise auffällige kameradschaftliche Haltung ein, hingegen er bei seinen Nachbarn, als eine eher eigenbrötlerische Gestalt erscheint. Er mimt immer den perfekten Sohn oder aber auch die Tochter, besonders wenn es um seine/ihre Mutter geht. Geschäftliches wird zu Hause, wenn überhaupt, dann nur mit dem Vater gesprochen.

Gut, nun könnte man hier und da Ähnlichkeiten beim Durchschnittsbürger finden doch es gibt einen gravierenden Unterschied. Unter all dem nämlich, hat das Chamäleon nicht die geringste Ahnung, wer er eigentlich selbst nun wirklich ist. Er spielt Rollen, Er bemüht sich so sehr darum, anderen Menschen zu gefallen, dass er dabei sein eigenes Ich, völlig verkümmern lässt. Was solche Menschen antreibt, ist der Wunsch, (Pass auf, jetzt wird’s leicht komplex!) dass zu sein, was sie selbst sehen, wenn sie wollen, das andere in ihnen sehen, wie sie es selbst so wollen. Mal als den Hero, mal als den Höfling, mal als den stillen Typ von nebenan usw. Denn wenn die anderen das nicht tun, so hat ein Chamäleon die Angst, dass er/sie bald allein sein könnte.

Die Ironie von all dem - Chamäleons fühlen sich von Grund auf immer alleine!..

Da die Chamäleons selbst nicht glauben, dass sie als Mensch und Person okay und sympathisch sind. Sie denken eher im gegenteiligen Feld. Sie sind sogar eher davon überzeugt, von einem gewissen Umfeld abgelehnt zu werden, wenn sie sind, wer sie wirklich im Kern als eigene Identitäten sind. Dabei ist es egal, ob nun ein liebenswerter Charakter diesem Menschen steckt oder er für seine Mitmenschen, eher als eine schlechte Partie darstellt. Solche Typen geben richtig Vollgas!.. Nur um sich selbst und dabei andere zu überzeugen, dass sie liebenswert sind. Dabei ist allerdings auch festzustellen, dass die Motivation dahinter, eine meist positive und gut gemeinte ist.

Wenn Du Dich selbst etwas in einem Chamäleon wieder erkennst (AkA ein „pleaser“, „ein netter Kerl“, ein „good boy“ bist), dann solltest Du schleunigst damit beginnen, Dir ein Eigenleben zu verschaffen. Und das ganz dringend! Ohne Eigenleben bist und hast Du nichts! Keine Persönlichkeit, kein inneres Feuer, keine Begeisterung an sich selbst und somit auch keine Zukunft. Zumindest keine, die man sich so eigentlich ausgemalt hätte, was eigentlich hätte der Plan sein sollen. Es ist einfach Fakt, dass man sich bei solch einer Lebenseinstellung und somit auch einer Führung, immer mehr auch die Fähigkeit verliert, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Kein Wunder auch, wenn Du über alles was Du sagst und tust, nachdenken und Dich immer neu anpassen musst, damit ein Umfeld, von dem Du nicht mal weißt, wie viel Anerkennung und Achtung sie Dir auch wirklich schenken „wollen“, Dir eine positive Zustimmung für Dein Ego und die Validierung für Deine Person erteilt. Von Mensch zu Mensch kann dies das Aussehen, das Talent, der Job, die Arbeitseinstellung, die persönliche Ethik, Freundlichkeit, attraktiver Ehepartner, niedliche Kinder, schönes Haus oder schönes Auto… usw sein.

Und hier wären wir beim Dilemma! - Chamäleons in Beziehungen!

Beziehungen, vor allem enge Verbundenheit, stellen für manche dieser Personen, ein gewisses Problem dar. Es gibt keine Möglichkeit, dass sie in einer engen, engagierten Beziehung sein können, dabei allerdings (oft ewig) dem eigenen Ehepartner unentdeckt bleibt, wer und wie diese Menschen eigentlich wirklich sind. Das und genau dass, ist der Grund warum intime Beziehungen für solche Leute so schwierig sind.

Menschen des Chamäleon-Typus, balancieren Handlungen aus. Je älter solche Leute sind, umso wahrhaftige Meister sind sie darin. Selbst die engagierteste Beziehung, trägt nahezu immer, irgendwo diese Angst vor Schmerzen oder auch die Angst vor Verrat in sich. Letzteres meist, verursacht durch Schwachstellen am Ego und der Angst, vor der Isolation oder Einsamkeit. Die auf die jeweilige Einzelperson bezogene und daher individuelle Art, wie Chamäleons diesen Balanceakt navigieren, ist der Schlüssel zu dem Mechanismus, der für das Wachstum innerhalb der Beziehung verantwortlich ist.

Die Wirklichkeit sieht also so aus: Du kannst diese Nähe und diese Intimität in Deiner Beziehungen oder auch Ehe selber steuern. Vielleicht hast Du die letzten Jahre auch das Gegenteil geglaubt. Warst davon überzeugt, dass dein Ehepartner offen und verfügbar sein muss, um erst diese gewisse Intimität in der Beziehung/Ehe zu schaffen. Dies ist mitunter bekannt als die "Andere-Validierung" und kommt sogar häufig in einigen Beziehungen, vor allem in der Ehe vor.

Diese „Anders-validierte Intimität“ sieht beispielsweise in etwa dann so aus: "Ich werde dir von mir erzählen, aber nur, wenn du mir von dir erzählst! Wenn du es nicht tust, werde ich es dann eben auch nicht. Aber eigentlich will ich es, sehr sogar! Also musst du!“

Anderes Beispiel: „Ich erzähle zuerst etwas Intimes über mich aber damit bist Du verpflichtet, mir ebenfalls auch z.B. ‚ein Geheimnis über Dich‘, zu offenbaren. Es ist nur fair! Noch fairer wäre es sogar, dass Du mir sogar Dein Wort darauf gibst, dass wenn ich mich Dir in irgendeiner Art seelisch öffne, dass Du mich im Vorfeld davon überzeugst, dass Du dies, danach sofort auch tust. Ich muss Dir schließlich doch vertrauen können, oder!?"

Und?... Hast Du bei Dir selbst gerade etwas bemerkt? Passt das in etwa Deinen Sprachraum? Wenn ja, dann bedenke bitte, dass wenn Du Beziehungen, mit zu viel Betonung auf die andere Person und deren Reaktionen, Antwort oder Validierung als „Existenzbestätigung“ annimmst, Du dann auf dem besten Weg bist, dieses Chamäleon in Dir zu erschaffen. Und in einer Beziehung als Chamäleon oder mit einem, stellt fast sicher, dass keine Person die Intimität erleben wird und die Liebe, die beide in der Beziehung suchen.

Merke bitte: Intim mit jemandem zu sein, sei es auf geistiger, emotionaler, sexueller Ebene bedeutet nicht, dass Du immer die Antwort bekommst, die Du gerade willst. Es gibt eine fundamentale Wahrheit bei der Arbeit in und an jeder Beziehung! Beziehungen, seien sie gut, schlecht und/oder etwas dazwischen, werden von Zwei Menschen aus geschaffen und gemeinsam erlebt.

Um über das „Chamäleon“ in sich hinauszuwachsen und in einer Beziehungen aufzugehen ohne sie „führen“ zu müssen, hier ein paar Regeln:

1. Konfrontiere Dich selbst einmal wie es aktuell um Deine eigene Integrität und persönliche Entwicklung steht. Sei dabei aber bitte absolut ehrlich!
2. Zähl dabei nicht auf Deinen Partner. Das hier mein Freund machst Du allein!
3. Hör auf, die Reaktionen Deines Partners stets persönlich zu nehmen.
4. Reagiere nicht auf Deine Gefühle. Handele nie aus dem Bauch heraus, besonders dann nicht, wenn Du Merkmale dieser Eigenschaften in Deinen eigenen Wesenszügen entdeckst.
5. Hör auf, ständig Deine Partner/Partnerinnen zu wechseln. Wenn Du mit Ende 27/28/29 und nach etwa 10-15 gescheiterten Beziehungen, immer noch nicht „Den Richtigen oder die Richtige“ gefunden hast, dann liegt es sicher nicht daran, dass das Schicksal es nicht gut mit Dir meint sondern eher daran, dass Du entweder zu naiv, zu unwissend, oder schlicht und ergreifend einfach nur zu blöd bist, eine längere Zeit einmal, ein fester Bestandteil einer intakten Beziehung zu sein.
6. Hör auf zu versuchen, Deinem Partner unbedingt ändern zu wollen. Lass besonders ab davon, wenn es nur darum geht, Dich mit einem gewissen Verhalten von ihr/ihm, akzeptiert oder bestätigt zu fühlen.
7. Vergiss im Krisenfall erst einmal die Arbeit an der Beziehung und beginne am besten gleich damit, an Dir selbst zu arbeiten. (Fang am besten da gleich mit Punkt 1 an!)
8. Konzentriere Dich auf Dich selbst und nicht was dein Partner gerade nicht tut, was Dir jetzt gerade Bestätigung und/oder ein gutes Gefühl geben könnte.
9. Desinteresse weckt meist Interesse! Zeig also nicht jedem zu viel Gesicht. Es sollte, muss, darf Dich gar nicht erst interessieren, was fremde Menschen über Dich denken! Solange Deine engsten Vertrauten wissen, wie Du wirklich bist, lass die Leute reden. Schenkst Du nämlich einem Hund zu viel Aufmerksamkeit, denkt er irgendwann, er wäre ein Löwe. ????

In diesem Sinne…

Menschlichkeit ist ...
ONEITIS... Mangelbewusstsein