Ich sehe was, was Du nicht siehst, das Spektrum eines Chamäleons

Das menschliche Chamäleon, was man drunter versteht.

Ich sehe was was Du nicht siehst

Freitagabend - endlich Feierabend.  Heute will ich über einen Verwandlungskünstler sprechen, dem menschlichen Chamäleon. Das ist ein Verwandlungskünstler. Als Chamäleon bezeichnet man in Fachkreisen eine Person, die innerlich bereit ist über Leichen zu gehen, wenn es  sein muss und das nur, um von den Leuten, mit denen sie zusammen sind, gemocht zu werden. In der Sozialpsychologie kennt man das Phänomen seit Langem: Gesprächspartner nehmen im Verlauf einer Konversation häufig gleiche Körperhaltungen ein. Ein Chamäleon ist ein perfekter Beobachter und passt sich schnell einer neuen Situation und Umgebung an. Nicht nur in der Tierwelt.

Du hast sicherlich auch schon Leute kennengelernt, die sich schnell unter eine Gruppe mischen können, ohne dabei Zeit zu verlieren. Sie sind oft sympathisch, gesellig und äußerst vertrauenerweckend und sie werden meist rapide in eine Gruppe integriert. Schnell freundet man sich mit ihnen an und ratz fatz werden sie fester Bestandteil der Gruppe.
Vielleicht hast Du in deinem Leben schon das eine oder andere Mal solche Menschen getroffen, oder vielleicht hast Du sogar einen von ihnen geheiratet. Oder Du bist selbst ein Chamäleon? 

Chamäleonmenschen, egal ob unter den Männern oder den Frauen, sind oft narzisstisch veranlagt, schwingen gerne große Worte, insbesondere wenn sie sich mit ihren klugen und intellektuellen Freunden treffen. Aber auch in anderen Situation, ob beim Sport oder im Freizeitpark oder beim Essen mit Freunden, sie finden meistens schnell ein spezielles Themen aus diesem Bereich, über dass sie sich prima unterhalten können. Sie können die Art und Weise, wie sie sprechen, genau wie ihre persönliche Haltung, komplett ändern. Mal nimmt er eine markante, teilweise auffällige kameradschaftliche Haltung ein, zum Beispiel bei Kollegen, während er in seiner Nachbarschaft wiederum als eine eigenbrötlerische Gestalt erscheint.

Wenn man Glück hat, ist einem so ein Mensch nur einmal begegnet. Das menschliche Chamäleon zeichnet sich, genau wie sein tierisches Vorbild, durch eine hohe Anpassungsfähigkeit aus. Es passt sich nicht nur in Sachen Kleidung perfekt an, sondern  auch in seinem Wesen, seinem Verhalten. Das macht es so schwer, ein menschliches Chamäleon rechtzeitig zu erkennen. Geschickt tarnt es sich in allen Lebensbereichen. Es spricht nur, um Erwartungen zu erfüllen: „Ja, natürlich schaffe ich das, Chef!" Wenn es nur wüsste wie?„Selbstverständlich komme ich gerne mit ins Kino!" Dabei hasst er/sie es, sich Filme im Kino anzuschauen. Aber wenn Freunde dahingehen wollen, na gut. 

Es treibt Sport, obwohl es ihm nicht gefällt, weil man das tut. Er gibt immer den perfekten Sohn oder die perfekte Tochter vor, um die Anerkennung der Eltern zu erhalten. Gut, nun könnte man hier und da Ähnlichkeiten beim Durchschnittsbürger finden, doch es gibt einen gravierenden Unterschied. Unter all seinem Handeln, hat das Chamäleon nicht die geringste Ahnung, wer er eigentlich selbst  wirklich ist. Er spielt Rollen, Er bemüht sich so sehr darum, anderen Menschen zu gefallen, dass er dabei sein eigenes Ich, völlig verkümmern lässt. Was solche Menschen antreibt ist der Wunsch, dass oder derjenige zu sein, was ihm/ihr vorgelebt wird, was die bei anderen sehen oder hören. Ein Chamäleon will sich immer anpassen, ohne Rücksicht auf sein eigenes ICH. Oft verliert er/sie die Fähigkeit, sich selbst noch zu finden. 

Doch die Ironie dabei ist, Chamäleons fühlen sich trotzdem oft alleine, einsam, trotz ihrer permanenten Anpassung. 

Denn sie glauben nicht daran, dass man sie auch lieben würde, sie sympathisch finden könnte, sie akzeptieren, sie respektieren würde, wären sie nur sie selbst. Sie sind sogar eher davon überzeugt, von einem gewissen Umfeld abgelehnt zu werden, wenn sie sind, wer sie wirklich im Kern als eigene Identitäten sind. Dabei ist es egal, ob nun ein liebenswerter Charakter in diesem Menschen steckt oder ob er für seine Mitmenschen eher eine schlechte Partie darstellt. Sie geben alles, nur um sich selbst und andere davon zu überzeugen, dass sie liebenswert sind. In erster Linie sind solche Menschen aber eher positive Typen. 

Wenn Du Dich nun selbst in einem Chamäleon erkennst, dann solltest Du schleunigst damit beginnen, Dich auf ein Eigenleben zu konzentrieren. Und das ganz dringend! Denn ohne ein Eigenleben bist Du und hast Du nichts! Keine Persönlichkeit, kein inneres Feuer, keine Begeisterung für Dich selbst und somit auch keine Zukunft. Zumindest keine, die man sich so eigentlich ausgemalt hatte, was eigentlich hätte der Plan sein sollen.  Kein Wunder auch, wenn Du über alles was Du sagst und tust erst einmal nachdenken musst, um Dich immer neu zu erfinden, um dich anzupassen, damit Dein Umfeld Dich toll findet. Dabei weißt Du eigentlich gar nicht, wie viel Anerkennung und Achtung sie Dir wirklich schenken wollen. Du denkst, du brauchst deren positive Zustimmung für Dein Ego und die Validierung für Deine Person. FALSCH. Von Mensch zu Mensch kann dies das Aussehen, das Talent, der Job, die Arbeitseinstellung, die persönliche Ethik, Freundlichkeit, attraktiver Ehepartner, niedliche Kinder, schönes Haus oder schönes Auto… usw sein. Doch das bist NICHT DU! 

Und hier wären wir beim Dilemma! - Chamäleons in Beziehungen!

Da Chamäleons meist nicht fähig sind, eine feste Bindung einzugehen, sind sie schwierige Partner in einer Beziehungen. Eine enge Verbundenheit stellt für diesen Personenkreis ein echtes Problem dar. Oft verzweifeln Partner an diesen Menschen, weil sie nicht hinter die Fassade blicken können, immer wieder von der Wandlung oder ständigen Anpassung an Dritte überrascht werden. Sie/er fragt sich: WER bist Du eigentlich?" Und genau das macht eine intime Beziehung mit einem Chamäleonmenschen so schwierig.

Menschen des Chamäleon-Typus balancieren Handlungen aus. Und je älter sie werden, umso größere Meister werden sie. Selbst in einer sehr engen engagierten Beziehung lodert in ihnen immer wieder die Angst vor Schmerzen, die Angst vor Verlust und Verrat. Verursacht durch Schwachstellen im Ego und der Angst, vor Isolation oder Einsamkeit. Die auf die jeweilige Einzelperson bezogene und daher individuelle Art, wie Chamäleons diesen Balanceakt bewältigen, ist der Schlüssel für das Wachsen, Gedeihen oder dem Versagen in einer Beziehung.

Du hast es selbst in der Hand (Lernprozess), die Intensität, die Intimität Deiner Beziehung oder auch Ehe selber zu steuern. Vielleicht hast Du die letzten Jahre auch das Gegenteil geglaubt. Warst davon überzeugt, dass dein Ehepartner offen und verfügbar sein muss, um erst diese gewisse Intimität in der Beziehung/Ehe zu schaffen. Dies ist mitunter bekannt als die "Andere-Validierung" und kommt sogar häufig in einigen Beziehungen, vor allem in der Ehe vor.

Da ein Chamäleon immer erst sehen, hören, fühlen will, was der andere macht, bevor er selbst aktiv wird, weil er sich danach orientieren will, wird es in einer Beziehung wahrscheinlich nie zu einer echten Intimität, Offenheit, Nähe kommen. Solltest Du Dich hier irgendwo wiederfinden, Dich hier erkennen, dann solltest Du jetzt beginnen, Dein eigenes ICH zu erkennen, zu entwickeln, zu leben. 

Merke bitte: Intim mit jemandem zu sein, sei es auf geistiger, emotionaler, sexueller Ebene bedeutet nicht, dass Du immer die Antwort bekommst, die Du gerade willst. Es gibt eine fundamentale Wahrheit bei der Arbeit in und an jeder Beziehung! Beziehungen, seien sie gut, schlecht und/oder etwas dazwischen, werden von Zwei unterschiedlichen Menschen geschaffen und gemeinsam erlebt.

Um über das Chamäleon in sich hinauszuwachsen und in einer Beziehungen aufzugehen ohne sie führen zu wollen oder geführt zu werden, hier ein paar Regeln:

1. Konfrontiere Dich selbst mit der Frage, wie es aktuell um Deine eigene Integrität und persönliche Entwicklung steht. Sei dabei aber bitte absolut ehrlich!
2. Zähl dabei nicht auf Deinen Partner. Das hier mein Freund machst Du allein!
3. Hör auf, die Reaktionen Deines Partners stets persönlich zu nehmen, auf Dich zu beziehen.
4. Reagiere nicht auf Deine Gefühle und handele nicht aus dem Bauch heraus, wenn Du Merkmale dieser Eigenschaften in Deinen eigenen Wesenszügen entdeckst.
5. Hör auf, ständig Deine Partner/Partnerinnen zu wechseln. Wenn Du mit Ende 27/28/29 und nach etwa 10-15 gescheiterten Beziehungen, immer noch nicht „Den Richtigen oder die Richtige" gefunden hast, dann liegt es sicher nicht daran, dass das Schicksal es nicht gut mit Dir meint, sondern eher daran, dass zu unstetig bist, nicht weißt, was DU wirklich willst, was DIR wirklich wichtig ist. 
6. Hör auf zu versuchen, Deinen Partner unbedingt ändern zu wollen. Lass besonders ab davon, wenn es nur darum geht, Dich mit einem gewissen Verhalten von ihr/ihm, akzeptiert oder bestätigt zu fühlen.
7. Vergiss im Krisenfall erst einmal die Arbeit an der Beziehung und beginne am besten gleich damit, an Dir selbst zu arbeiten. 
8. Konzentriere Dich auf Dich selbst und nicht was dein Partner gerade nicht tut. Höre auf ständig nach Bestätigung und/oder ein gutes Gefühl zu warten. 
9. Es sollte, muss, darf Dich gar nicht erst interessieren, was fremde Menschen über Dich denken! Solange Deine engsten Vertrauten wissen, wie Du wirklich bist, lass die Leute reden. Du bist Du, Leut sind Leut.

In diesem Sinne…

Menschlichkeit ist, was Kazim Akboga lebte.
ONEITIS... Mangelbewusstsein - Abhängigkeit - Mach...