Klasse, Format, Niveau, oder einfach nur arrogant?

Hat er Klasse, Format, Niveau, oder ist es einfach nur Arroganz?

Klasse? Format? Niveau? ... Oder einfach nur arrogant?!
„Boa äh, Metin, Deine Artikel und Videos sind immer so lang!" schrieb mir ein Klient.
Richtig! Ich ziele auch gerne auf ein Klientel ab, deren Aufmerksamkeitsspanne länger geht als nur 3 – 5 Minuten! 
"Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz!" Ein wunderbarer Satz, der mir immer wieder mal im Netz begegnet und das heutige Thema betrifft. Wenn ich auch hier wieder mit ehrlicher und offener Art sprechen, bzw. schreiben darf, so zeugt diese Aussage, meines Erachtens nach, vielmehr von einer niedrigen Intelligenz. Nicht mehr und auch nicht weniger!
Um ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln warum Arroganz Dir im Leben eher schadet als hilft, gebe ich Dir hier ein Beispiel aus meiner Praxis. Ein Beispiel, dessen Ursprung aus meiner eigenen Vergangenheit stammt und sich tatsächlich so begeben hat. 

Ich hatte einst in meinem indirekten Umfeld einen Bekannten, dessen Name und Beruf ich zum Schutz seiner Persönlichkeitsrechte  abgeändert habe. Post mortem widme ich ihm diese Zeilen. Auch wenn er sie streng genommen gar nicht verdient hat.

Ich nenne ihn mal Thomas. Thomas arbeitete als Schichtleiter in einer großen Fabrik, die damals Teile für die Automobilindustrie herstellte. Zu Beginn seiner Tätigkeit verhielt er sich völlig normal und niemand hätte ihn je als arrogant betitelt. Aber einige Monate später strahlte nicht nur seine bloße Anwesenheit eine gewisse Arroganz aus, sondern er verhielt sich auch so, zur Überraschung vieler seiner Mitarbeiter. Seine Arroganz richtete sich in erster Linie gegen seine Untergebenen, die er früher einmal sehr freundlich behandelte. Plötzlich hielt er es weder für nötig, seinen Mitarbeitern Gehör zu verschaffen, noch behielt er eine gewisse Höflichkeit bei. Auch das Grüßen der Untergebenen in diesem Betrieb schien ihm plötzlich zu teuer zu sein. Vor seinem beruflichen Aufstieg war das vollkommen anders. Seine Arroganz und Überheblichkeit übertrug sich nun auch auf sein privates Leben.

Was war passiert? Wie konnte er so eine Wandlung vollziehen? 

Nun stellt sich hier die Frage, was eigentlich Arroganz ist?  Wie soll man das richtig definieren?

Ich erkläre es mal wie folgt: Ein arroganter Mensch ist eine Person, die so handelt, als wäre sie überlegen, würdiger und wichtiger als die anderen Menschen. Deshalb reduziert er den Stellenwert der anderen, während er sich selbst auf ein Podest erhebt. Er erkennt darin weder ein menschlich asoziales Verhalten, noch ein Problem. Gleichzeitig jedoch, will er verrückterweise von eben diesen Menschen bewundert und respektiert werden. Er will von denjenigen, die er selbst erniedrigt, geschätzt und geachtet werden, für alle Dinge, die er tut und getan hat und natürlich für all seine Qualitäten, die er durchaus hat, wie andere allerdings auch. Ein arroganter Chef zum Beispiel denkt im Vorfeld schon, dass seine Ideen, Meinungen und Überzeugungen „grundsätzlich" schon einmal besser sind als die der anderen. Ja selbstverständlich besser sein „müssen". Es kann und darf seiner Meinung nach nicht sein, dass ein Untergebener vielleicht sogar eine bessere Idee entwickeln kann, als er selbst. Deshalb wird so ein Chef, die guten Ideen und Leistungen abwerten, um seine eigenen aufzuwerten, auch wenn er selbst sieht, dass die Idee seines Mitarbeiters die bessere ist.

In vielen Fällen wird eine Person arrogant, wenn sie irgendwann mal eine bessere Leistung, Ideen oder Taten erbringen kann, als die anderen. Er fühlt sich überlegen und als etwas Besseres.  Ja und wenn so ein Mensch feststellt, egal ob nun im Job oder anderweitig im privaten Leben, dass andere eben nicht so erfolgreich sind wie er, beginnen sie oft, auf andere von oben herab runterzuschauen. Meistens merken sie nicht einmal, wie sie alle Menschen um sich herum wegstoßen, sich zum Feind machen. Wenn dann der Erfolg einmal ausbleibt, fallen solche Menschen leicht in ein tiefes schwarzes Loch, aus dem sie alleine kaum wieder herausfinden. So erging es Thomas eines Tages.

Der Teufel steckt im Detail, wie man so schön sagt. Nur weil eine Person etwas Großes erreicht hat, bedeutet das nicht automatisch, dass er ein Supermensch ist, noch das der Erfolg für immer gepachtet ist. Jeder Mensch hat gewisse Defizite und Schwachstellen und die meisten Menschen wissen das auch. Doch die arroganten Menschen erkennen keine Fehler an sich selbst. Sie halten sie selbst für den Mittelpunkt der Erde und schauen auf den Rest der Welt mit Verachtung, die nicht so sind wie er. 

ES GIBT IM LEBEN ABSOLUT KEINEN GRUND, ARROGANT ZU SEIN ODER ZU GLAUBEN, ANDERE MENSCHEN SEIEN WENIGER WERT, ALS ER SELBST. Egal, was man bemerkenswertes im Leben erreicht haben mag.

Natürlich gibt es noch eine andere Arroganz, die als Abwehrmechanismus bezeichnend ist. Jemand, der ein geringes Selbstbewusstsein hat, der schüchtern ist, der unsicher ist, ob er den Vorgaben des Lebens genügen kann, erscheint oft als arrogant, unnahbar, obwohl dieser Mensch eigentlich nur damit versucht, seine Minderwertigkeit, seine Unsicherheit, vielleicht seine Unterlegenheit anderen gegenüber und/oder seine persönlichen Defizite zu kaschieren. 

Diese Arroganz hilft ihnen sich davor zu schützen, von anderen eventuell abgelehnt zu werden. Deshalb lehnen sie schnell andere ab, um dem vorzukommen.  Eine Schutzhaltung, wenn man so will! Da diese Leute irgendwann in ihrem Leben selbst entschieden haben, dass sie eigentlich minderwertig sind, sind sie natürlich besorgt, dass andere es herausfinden werden und sie nicht akzeptieren. Sie sind sich dabei so sicher, dass sie andere ablehnen müssen, bevor sie auf die Idee kommen, sie/ihn abzulehnen. Somit bekommen die Menschen um sie herum gar nicht erst die Chance, sie näher kennenzulernen, um sich überhaupt ein Urteil bilden zu können.  Das schizophrene dabei ist, dass ihnen auf der anderen Seite durchaus wichtig ist, wie andere über sie denken. Freunde und Familienmitglieder akzeptieren sie natürlich, kennen sie, logisch! Klar, diese Personen kennt man ja und hat sie auch ständig in seinem Umfeld. Aber wer weiß, wie ein Fremder reagieren könnte? "Der lehnt mich ab!" geht unsicheren Menschen gleich durch den Kopf. Dabei hatten die Fremden noch gar keine Chance bekommen, sich überhaupt ein Urteil bilden zu können. 

Es ist bei viel zu vielen Menschen, gerade in der heutigen Zeit, so „modern“ geworden, sich eine gewisse arrogante Art als Schutzmechanismus zuzulegen. Anderen mit einem Stirnrunzeln, einem verächtlichen Blick oder mit einem seltsamen Ausdruck herabzuwürdigen – Und das nur, um zu zeigen, dass es ihnen angeblich egal ist. Das Gegenteil ist der Fall! Gerade arrogante Menschen wollen Aufmerksamkeit!

Manche Menschen lernen in der Kindheit, in der Schule, dass sie mit Arroganz sich den Respekt anderer erkaufen. Denn wenn man jung und unerfahren ist, glaubt man gerne, dass diese Arroganz irgendwie gerechtfertigt sein muss. Eine fatale Entwicklung. Wer hat das nicht schon erlebt. Wenn ein hübsches Mädchen mit hochgerecktem Kopf und einer gewissen Arroganz über den Schulhof schreitet, wollen alle Jungs die harte Nuss knacken. In dieser Arroganz liegt ein gewisser Reiz für andere. Andere Mädchen werden neidisch, weil alle Kerle nur noch Augen für die Eine zu haben scheinen. Und dieser Erfolg, durch Arroganz etwas Besonderes zu sein, setzen sie dann fatalerweise gerne auch nach der Schule fort. Doch dann erfahren sie plötzlich Feindschaft, Neid, Aggression gegen ihre Person. Nun haben sie zwei Möglichkeiten. Zum einen, dieses Verhalten zu überdenken und abzulegen oder irgendwann wahrscheinlich einsam zu sterben. Borniertheit und Arroganz führt nämlich in den meisten Fällen zur Einsamkeit.

Was wurde nun aus Thomas?

Tom, der Typ, den ich zu Beginn dieses Beitrags erwähnt habe, war lange sehr bemüht darum, von seinen Chefs anerkannt zu werden. Doch erst als er nach einer Beförderung, weil seine Leistung eben entsprechend gut war, beschloss, seinen Kollegen gegenüber seine Überlegenheit zu demonstrieren, gewann er sein Selbstvertrauen zurück. Doch zu welchem Preis. Denn nur 15 Jahre später verstarb er. Doch er hatte durch seine Arroganz die meisten seiner Freunde längst vergrault, Kollegen wollten privat nichts mehr mit ihm zu tun haben und somit verwunderte es nicht, dass auf seiner Beerdigung kaum jemand erschien.  Schade nur, dass er das selbst nicht mehr erleben konnte. Vielleicht hätte er dann zu Lebzeiten über sein Verhalten nachgedacht.

Arroganz muss man sich leisten können.

In diesem Sinne.

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