Na!?.. Liebeskummer?...

Oneitis
Na!?.. Liebeskummer?.
Im Kopf Deine Kollegin? Die eine, die letztes Jahr schon in eurer Abteilung angefangen hat. Die eine, von der Du genau weißt, dass es niemals etwas mit euch werden wird? Wie bitte?  Du kannst Dich nicht von dem Gedanken lösen und leidest auch noch darunter?

Trennungsschmerzen? Immer noch Probleme beim Einschlafen, weil Dein Exfreund immer noch Nacht für Nacht in Kopf herumspukt? Dich nach wie vor jede Nacht malträtiert? Und das, obwohl Deine Trennung bereits über ein halbes Jahr her ist? Dabei sollte es Dir doch eigentlich längst besser gehen? Täglich denkst Du noch an ihn, gehst an seinem Haus vorbei, wartest vor seiner Arbeitsstelle, läufst hin- und her, nur um einen Blick auf ihn werfen zu können und um zu sehen, was er macht?
 
 
 
 
 
Und Du, Du denkst immer noch an sie,  die tolle Frau, dieses vollkommene Wesen, an das Du nicht herankommst? Die Dir schon einige Abfuhren erteilt hat. Da hast Du nun die Traumfrau gefunden und sie weist Dich ab. Du kommst damit nicht zurecht. Du fährst ihr nach, willst wissen, wo sie wohnt, wie sie heißt, findest sie auf Facebook, stalkst sie, tust alles, um mit ihr ein Date zu arrangieren. Und obwohl Du alles bis ins kleinste Detail geplant hast, gibt Sie Dir wieder einen Korb. Das kratzt an Deinem Ego. Denn Du bist sicher, DU bist der Richtige für sie und NUR Du. 
Tja mein Freund und/oder meine Freundin, wenn Du so weit bist, dann willkommen in Deiner eigenen Oneitis! Was ist das?

ONEitis, also „One-It-Is“, ist ein klassischer Begriff aus der Verführungsszene, was den krankhaften Um – oder Zustand beschreibt, sich auf eine bestimmte Person zu fixieren. Sei es eine gedankliche Freundin oder Freund, oder eine Exfreundin oder Freund, Man hebt diese Person auf ein Podest. Diese Person, diese "ONE" wird überidealisiert.  Die eigene Wahrnehmung wird unter anderem, auch aufgrund gewisser Mechanismen im Kopf, wie z. B. die Rationalisierung, zum Teil so weit verschoben, dass man gewisse Vorzüge völlig übertrieben ins Positive verkehrt, negative Eigenschaften wegrationalisiert. Man ist so dermaßen auf diese eine Person fixiert, dass man sich selbst irgendwann aufgibt. Es entsteht eine Art innerliche Lähmung. Man kann auch hier schon von einer Depression sprechen. Man verliert seinen eigenen Antrieb, stellenweise sogar bis zu dem Punkt, wo man aufhört,  sich selbst zu sein.

Da ist kein „der Eine" oder „die Eine"! Höchstens vielleicht dieser „Seelenfreund Mythos" der einem im Laufe der Zeit, über die Medienmaschinerie und dem Mainstream in regelmäßigen Abständen ins Gehirn implantiert wird. Man muss lernen zu begreifen, dass es  niemals NUR DEN EINEN oder DIE EINE gibt, die zu einem passen kann. Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen und wer Dir etwas anderes sagt, verkauft lediglich diese Hollywood – Romantik, dass es NUR DIESEN EINEN/ NUR DIESE EINE gäbe, die zu Dir passt. Wenn dem so wäre, wäre die Menschheit längst ausgestorben. Besonders in der heutigen Zeit, wo zu viele junge Menschen nur noch Digital in Sachen Partnerschaft unterwegs sind, wird das Bedürfnis, DEN richtigen Partner zu finden, nicht nur immer schwieriger, sondern auch immer öfter zu einer fixen Idee. Unsere Idole, die für den Otto Normalmenschen unerreichbar bleiben, werden schnell zum Partnerideal hochstilisiert.

Fakt ist, dass manche Leute aufgrund dieses Soul-mate-Mythos eine Phantasie kreieren, die wir zwar alle, zumindest in gewisser Weise auch irgendwo teilen. Leute, die sich einer Idealisierung hingeben ja, einige von ihnen sogar eine Bildhafte Festlegung in ihrem Kopf erschaffen, dass es einen „perfekten“ Partner für jeden von uns gibt und sobald die Planeten sich ausrichten und natürlich das Schicksal auch seine Würze mit in die Suppe gibt, es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis diese „Magie“ ihre Wirkung erreicht und einem „dieser Eine / diese Eine“, auf einem Pferd entgegenreitet. Natürlich wird man dann in genau dem Moment auch wissen, dass man füreinander "bestimmt" ist und während solche Gedenken, die für jede erfreuliche, romantische Komödie eine perfekte Handlung abgeben würden, ist es kaum eine realistische Wahrscheinlichkeit, dass dies so auch im wahren Leben auch tatsächlich eintrifft. Sein ganzes Leben danach dann auch auszurichten ja sogar zu planen, ist der Inbegriff dessen, was dann an Enttäuschung, Trauer und Wut bei solchen Leuten, wir nennen sie „Oneitis“, dann auftreten. Zugegeben, auch ich selbst konnte mich bis zum heutigen Tage nie so richtig von diesem Hollywood – Gedanken lösen und auch mir wird es täglich, besonders durch meine Tätigkeit in diesem Bereich, regelmäßig ins Gehirn eingehämmert, dass es da draußen irgendwo ja „diese Eine“ geben muss.

Doch da ist er dann wieder... Mein Verstand! Ich komme gar nicht erst in diese Situation weil ich mich gar nicht dazu hinreißen lasse, mir mit irgendwelchen „Argumenten“ à la „Vom Winde verweht“ oder „Titanic“, sämtliche empirischen Belege einfach wegzuwischen und mich einer emotionalen Beweisführung hinzugeben. Warum? – Ja weil ich doch selbst genau weiß, dass mir die Ergebnisse meiner emotionalen Beweisführung noch selbst zum Verhängnis werden… Früher oder später! Und wenn dann dieser Aufschlag da ist und einen die Realität wieder einholt, dann fällt die Enttäuschung und die Trauer dementsprechend schmerzhaft für einen aus.

Was ich noch faszinierender finde ist, wie dann am Ende des Traumes, dann, wenn man vor Schmerzen gelähmt am Boden liegt, sich im Innern alles anfühlt als hätte man Glas gefressen und ist grad dabei, die blutigen Scherben wieder auszukotzen, diese super tollen Freunde um die Ecke kommen mit dem Spruch: „Ach mein Gott! Mach Dir nichts draus! Dann war es eben nicht die Richtige!“ Natürlich meint es der Freund gut mit einem, sicher hatte er gute Absichten und wollte Trost spenden mit diesen schönen Worten. Ich kann mich selber noch an eine Zeit zurück erinnern in der ich bei weitem, mental nicht so weit war und mir solche Dinge auch sehr am Herzen lagen. Auch weiß ich, wie ein guter Freund mich ebenso trösten wollte und ich bin auch dankbar gewesen, dass da jemand bei mir war, der mir Rückhalt gab. Fakt ist aber auch, dass ich mich heute, mit dem Wissen jetzt, selbst dabei schwer im Zaun halten müsste, damit meine Faust eben nicht in sein Gesicht wandert. Denn wie zuvor, wird in diesem oder ähnlichen Sätzen, dieser Motor der Oneitis erneut zum Laufen gebracht. Es wird gar nicht danach gefragt, in wie weit dieser Gedankengang, gerade in dieser angeblich so informativen und gebildeten Welt in der fertige Studien, sei es im Bereich der Biologie, Soziologie, Psychologie usw. wissenschaftlich Belege dafür haben, dass eben nicht so ist - Das es eben nicht "diesen Einen/diese Eine" gibt! Anders herum müsste es ja demnach logischerweise diesen „JEMAND FÜR ALLE“ geben. Diesen „Everybodys Darling“ und das gibt es eben auch nicht, da es im Leben immer einen gibt, der einem ganz einfach unsympathisch ist, selbst wenn alle Freunde und Bekannte sagen, was für ein toller Kerl das doch ist – Mann mag ihn einfach nicht! Man weiß selbst nicht genau warum aber man mag ihn nicht. Und genau so etwas hat irgendwo jeder. Sei es in seinem näherem Umfeld oder eine Persönlichkeit aus den Zeitungen oder dem Fernsehen etc.

Um hier am Ende auch wieder zu einem Fazit zu kommen, möchte ich auch hier, nicht nur wie bereits oben erklärt, die Definition und Ursachen einer Oneitis erläutern, sondern auch meinen Gedenken dazu eröffnen, wonach ich auch auf diese eine bestimmte, weitere, schwer wiegende Ursache hinweisen möchte, wieso es auch nicht so einfach ist, von diesem Glauben abzulassen. Vielmehr sogar, fehlgeleitet durch bereits oben aufgezeigte Fakten, eher daran festzuhalten, ihn stellenweise sogar als erwiesene Tatsache zu betrachten. Ich denke, dass es eine sehr starke Angst ist, die da in einem inne wohnt. Es ist die Angst, sich von dieser Vorstellung, dass es die „EINE / den EINEN da draußen doch gibt, zu lösen und somit freier im Denken zu werden darauf basiert, dass das eigene Ego, im Lauf einer gewissen Zeit, eine oder mehrere „Investitionen in diesen Glauben getätigt hat. Ähnlich, als würde man zu einem tief religiösen Menschen gehen und diesem sagen, dass es einen Gott nicht geben kann weil dafür einfach die wissenschaftlichen Belege fehlen. Es ist einfach zu schrecklich, auch nur in Erwägen zu ziehen, dass es diesen Weihnachtsmann, oder diesen Osterhasen doch nicht gibt. Diese westliche romantisiert Mythologie basiert schließlich doch voll und ganz auf eben dieser Prämisse, wonach es nur diesen einen perfekten Partner für jede einzelne Person gibt und es eben diese eine richtige und wichtige Sache im Leben ist, für sich diesen einen Menschen zu finden. Wie wir nun aber wissen, macht dies absolut gar keinen Sinn! Dennoch gibt es nicht gerade wenige Männer & Frauen da draußen, die ihr ganzes Leben mit der Suche verbringen, diesen 'Seelenverwandten‘ für sich zu finden. Bei etlichen unter ihnen sitzt dieser Glaube sogar so tief, dass sie sogar ungewöhnlich klare Vorstellungen von diesem Menschen haben und jeden anderen Menschen, der auch nur leicht von dieses Idealbild abweicht, kategorisch zurückweisen weil sie, ja gerade SIE es sind, die diese „Frucht des Lebens“ auch endlich verdient haben. Tja!... Und so stark und so allgegenwärtig dieser Mythos in unserer kollektiven Gesellschaft als reell betrachtet wird, so schwieriger ist auch, bei eben nicht sachlicher, logischer und völlig nüchterner Betrachtungsweise, seine eigene Position in der jeweiligen Lebenssituation wahr zu nehmen und somit neue und tatsachliche Perspektiven für sich zu erkennen und sich danach auszurichten.

Im kommenden Artikel, welcher als direkte Fortsetzung für diesen hier gedacht ist, gehe ich dann noch auf ein paar weitere Umstände, besonders über das „WARUM?“ und das „WAS DAGEGEN HILFT?“ ein und zeige eben da auch so Perspektiven auf, welche es einem auch ermöglichen sollen, nicht nur wie heute in diesem Kapitel, den Begriff, die Definition und die Ursachen zu kennen und zu verstehen, sondern auch einen Weg für sich selbst zu finden, aus diesem Hamsterrad des Wahnsinns, zu entkommen. Denn nichts ist schlimmer als die Fesseln, die man sich nicht sich nur selbst anlegt, sondern auch die damit verbundenen Qualen, die damit verbunden sind!

In diesem Sinne…
ONEITIS... Mangelbewusstsein
Klasse? Format? Niveau? ... Oder einfach nur arrog...