ONEITIS... Mangelbewusstsein

Oneitis Mangelbewusstsein
Steigen wir in unserer Fortsetzung zu dem Thema "Oneitis" gleich mal mit der Frage ein, was es denn genau ist, was einen Menschen dazu bewegt, in seiner Angebeteten oder dem bereits bestehenden Partner, diese/n "One", diese/n "Eine/n" zu sehen. Was an sich nicht einmal das große Übel wäre, wäre da nicht die Tatsache, dass manche Menschen dabei so weit gehen, wie im vorangegangenen Artikel bereits beschrieben, einen anderen Menschen auf ein Podest zu heben und somit über sich selbst zu stellen. Was treibt so manchen Mann dazu, sich bis aufs letzte Hemd von einer Frau ausnehmen zu lassen und nicht einmal zum Dank einen Kuss von dieser Frau zu bekommen?! Und was veranlasst wiederum Frauen, zu einem brutalen Typen, der sie regelmäßig verprügelt, immer wieder zurückzukehren? Sind diese Leute denn alle unbelehrbar oder einfach nur krank?

Ich denke, es gibt mitunter ein ziemlich verzerrtes Bild von Oneitis. Denn es ist notwendig, zwischen einer gesunden Beziehung, basierend auf gegenseitigem Respekt und einer Beziehung mit einer, sagen wir mal, schiefen Basis zu differenzieren. Nach meiner Einschätzung ist Oneitis eine ungesunde psychische Abhängigkeit, die das direkte Ergebnis der kontinuierlichen Sozialisation des Seelengefährten Mythos in der Popkultur ist. Was wirklich erschreckend ist in unserer Gesellschaft, ist, dass Oneitis noch nicht einmal so sehr von den Betroffenen selbst falsch verstanden wird, sondern aus gesellschaftlicher Sicht, mit dem Sein einen gesunden normativen Aspekts, einer tiefen Lebensbindung oder einer Ehe assoziiert wird.

Ich komme zu dem Schluss, dass die Eckpfeiler der Oneitis und die Gedankenmuster, die letztlich auch zu einer Fehldeutung führen, in vielen soziologischen Wurzeln unserer Gesellschaft vertieft sind. Nicht nur, weil es für den Einzelnen eine Erklärung des persönlichen Glaubens ist, sondern auch durch den Grad, in dem diese Ideologie verbreitet wird. Durch die große Masse der Menschen in der populären Kultur, wird gerade durch Medien, Musik, Literatur, Filme usw. diese Ideologie, regelrecht vermarktet.

Mittlerweile existiert eine riesengroße Industrie von Dating-Diensten und deren Marketing Experten. Die machen sich genau diese Unsicherheit der jungen Leute schamlos zu nutze. Und genau das fördert die Dynamik, mehr Unsicherheit in den Menschen zu schüren und auch aufrecht zu erhalten. "Dann war es eben nicht der Richtige oder die Richtige!" – heißt es dann lapidar. Zumindest nach jeder Trennung.

Im Umkehrschluss müsste genau Dass, wenn es nach genau dieser Formal geht, ein Mensch der bereits 5 – 10 gescheiterte Beziehungen hatte, zu dämlich dazu sein, den Richtigen oder die Richtige für sich zu finden. Was ist das bitte für eine Lebensweisheit? Diese Illusion von dieser Einen / diesem Einen, wird trotz gegensätzlicher Erfahrungen einfach aufrechterhalten. Für Betreiber von Dating-Apps und diversen Seiten natürlich eine „Never ending Goldgrube“, da man so, die Masse der Personen dazu bewegt, sich gleich wieder auf diesen „ONE“, diese „Eine“ zu fokussieren. Und wieder beginnt so die verzweifelte Suche nach einer Person, die schon immer für einen "bestimmt gewesen" ist. Die Idee, dass Männer eine natürliche Fähigkeit zum Schutz, zur Bereitstellung und Monogamie besitzen hat seinen Ursprung in einem sozialen und bio-psychologischen Standpunkt. Eine Oneitis ist kein Nebenprodukt einer Psychose. So gerne das viele Leute in Trennungsforen darstellen oder Experten mit Yogakursen zum „Loslassen“ einer Exfreundin oder einem Exfreund, einem auch gern wahr machen wollen. Ich persönlich denke zum Beispiel, dass wenn man einen Partner gefunden hat, der einem in vieles gleicht und mit dem eine solide Zukunft in einer stabilen Partnerschaft auf lange Sicht gesichert scheint, es keineswegs mit einer Oneitis abgetan werden darf, wenn man sich in einem Trennungsfall dazu entscheidet, für diesen Mann oder für diese Frau zu kämpfen. Es ist nicht gleich Oneitist wenn man um die Liebe kämpft. Natürlich, wenn ein Kampf verloren erscheint und jeglicher Versuch, den Ex wieder für sich zu erkämpfen gescheitert ist oder aber auch die fremde Frau im Club, die man bereits 6 x angesprochen hat, immer noch kein reges Interesse an einem zeigt, so ist doch der Rückzug geboten. Alles andere würde genau diese Grenze überschreiten die einen eben in diese Ebene der Oneitis verfrachtet.

Eine richtige Oneitis beherbergt zudem die Gefahr, regelrecht Amok zu laufen, während man für sich alleine ist. Es entsteht eine regelrechte potenzielle Lähmung, gekoppelt mit einer Art neurotischen Verzweiflung, die eine Person regelrecht in den Wahnsinn treiben kann. Das ist DEIN „ONE, DEINE „EINE“ und wie könntest Du jemals ohne sie oder ihn leben? Es wird auch „NIE WIEDER“ so einen Menschen in Deinem Leben geben? … Ach echt!? Schon mal solche Gedanken gehabt? Danach auch gehandelt? Fakt ist, dass wenn Du schon einmal aus genau dieser Motivation heraus einem Menschen Komfort geschenkt hast, den dieser noch nicht einmal ansatzweise verdient hatte, Du einem binären Ansatz gefolgt bist. Vergleichbar könnte man sich dann auf der Suche nach dem „Richtigen“ / „der Richtigen“, ebenso gut auf die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen begeben und enorme emotionale Anstrengungen im Laufe eines Lebens investieren. Fragt sich dann aber, in wie weit in einem persönlich, die Reife erlangt wird, in der man in ein gesundes Verständnis von dem, was eine Beziehung wirklich mit sich bringt, zu entwickeln. Denn, so eine „idealisierte“ Beziehung - die "glücklich seitdem…" - dass der Glaube an eine/einen ONE fördert, mitunter den Endzweck hervorbringt, dass man auf einen anderen Menschen, eine AUSSEN EXISTIERENDE QUELLE angewiesen ist, nur im mit sich selbst zufrieden und glücklich zu sein. Kein Wunder also, dass nachdem der Großteil der Menschen in diese Ideologie investiert, es auch zunehmend schwieriger für den Löwenanteil wird, aus diesem Gedankenmuster auszubrechen. Etliche Menschen verbringen sogar ihr Leben lang damit, eine Heerschar an kompatiblen Lebenspartnern, von Beginn weg abzulehnen, nur um auf diese Eine oder den Einen zu warten. Dieser Eine, der „Richtige“ für einen ist. Dieser „One“ der nur lebt, um einen glücklich zu machen. Gerade bei den Mädels, meist schon im Kindergarten durch diverse Märchen eingeimpft, wird darauf regelrecht konditioniert, auf den Prinzen in schimmernder Rüstung zu warten. Ja, einige gehen dabei so weit zu glauben, dass gerade SIE es sind, die nun nach all den Jahren des Wartens, nun endlich diese „Frucht des Lebens“ verdient haben. :-D Ja genau Prinzessin!... Träum weiter! ;-) Das geht mitunter so weit, ein ganzes Leben lang, diese Ego-Investition, vor unangenehmen Fragen zu schützen. An dieser Stelle fällt mir ein schöner Spruch ein den ich mal gelesen habe: „Wer sich sein ganzes Leben alle Türen versucht offen zu halten, der braucht sich am Ende nicht zu wundern, wenn er sein ganzes Leben auf dem Flur verbracht hat.“

Die Definition von Macht ist nicht finanzieller Erfolg. Auch nicht Status oder Einfluss auf andere Personen, Gruppierungen oder ähnliches. Es ist das Ausmaß, in dem wir die Kontrolle über unser eigenes Leben haben oder im Fall einer Oneitis verlieren können. Dieses, für viele selbstverständliche Annehmen dieser Seelengefährten Mythologie erfordert, dass man billigend und manchmal auch jederzeit aufs Neue, eine Ohnmacht in diesem Bereich seines Lebens im Vorfeld einprogrammiert und diese dann im E-Fall auch eröffnet. Besser wäre es hingegen, medial und auch politisch, ein gesundes Verständnis für die Liebe, die Harmonie und die Beziehung jedes einzelnen zu fördern in dem man schon einmal damit beginnt, Sprüche wie z.B.: „Irgendwann kommt schon noch der Richtige!“ oder „Dann war es eben nicht die Richtige!“ abzuschaffen. Sie aus dem Vokabular der Gesellschaft zu verbannen. Den Menschen muss begreiflich werden, dass andernfalls nur ein „Mangelbewusstsein“ in einem erzeugt und gereift wird. Ein Mangelbewusstsein welches täglich neu Treibstoff durch solche Aussagen erhält und einem mit zunehmenden Lebensalter die Sicht auf die Fakten verblendet. Denn andersherum betrachtet… Hättest Du als Mann, denn so etwas wie eine Oneitsis, wenn das Telefonbuch Deines Handys, mit mind. 10 attraktiven Damen besetzt ist mit denen Du Dich regelmäßig triffst, die Dir ein gutes Gefühl geben, mit denen Du guten Sex hast und von denen sich eine Handvoll als gute Partnerinnen eignet? – Ganz ehrlich? Ich glaube eher weniger! Ergo: Mangelbewusstsein! Es gibt einige Gute und es gibt einige Schlechte, aber gibt nicht diesen „ONE“.

In diesem Sinne…

Ich sehe was, was Du nicht siehst!...
Na!?.. Liebeskummer?...