ONEITIS... Mangelbewusstsein - Abhängigkeit - Macht

Oneitis Mangelbewusstsein
Hier die Fortsetzung zu dem Thema "Oneitis". Frage: Was ist das eigentlich genau, was einen Menschen dazu bewegt, einen anderen Menschen, einen Wunschpartner oder den eigenen Partner/Ehemann/Ehefrau in einer bestehenden Beziehung auf ein hohes Podest zu heben? Sich selbst damit klein zu machen? In Abhängigkeit zu gegeben? Zu glauben, nur der andere ist der/die Bessere, viel besser, als man selbst? Was treibt Männer dazu, sich von Frauen bis aufs letzte Hemd ausnehmen zu lassen? Ohne Dankbarkeit. Beruht das auf einem Mangelbewusstsein? Was veranlasst wiederum Frauen dazu, sich an brutale Typen zu binden, die Macht über sie erlangen, die sie regelmäßig verprügeln, sich ständig demütigen lassen, obwohl sie oftmals mehr im Kopf haben, als die prügelnden Bastarde? Sind diese Leute alle unbelehrbar oder einfach nur krank?

Ich denke, es gibt mitunter ein ziemlich verzerrtes Bild von Oneitis. Denn man muss zwischen einer gesunden Beziehung, basierend auf gegenseitigem Respekt und einer Beziehung mit einer, sagen wir mal, schiefen Basis differenzieren. Nach meiner Einschätzung ist Oneitis eine ungesunde psychische Abhängigkeit, das sich selbst aufgeben, sich minderwertig zu fühlen. Was wirklich erschreckend ist in unserer Gesellschaft, ist, dass Oneitis nicht einmal von den Betroffenen selbst falsch verstanden wird, sondern aus gesellschaftlicher Sicht, als einen gesunden normativen Aspekts, einer tiefen Lebensbindung oder einer Ehe assoziiert wird.

Ich komme zu dem Schluss, dass die Eckpfeiler der Oneitis und die Gedankenmuster, die letztlich auch zu einer Fehldeutung führen, in vielen soziologischen Wurzeln unserer Gesellschaft vertieft sind. Nicht nur, weil es für den Einzelnen eine Erklärung des persönlichen Glaubens ist, sondern auch durch den Grad, in dem diese Ideologie verbreitet ist. Durch eine große Masse der Menschen in der populären Kultur, wird gerade durch Medien, Musik, Literatur, Filme usw. diese Ideologie, regelrecht vermarktet.

Mittlerweile existiert eine riesengroße Industrie von Dating-Diensten und deren Marketing Experten. Die machen sich genau diese Unsicherheit der jungen Leute schamlos zu nutze. Und genau das fördert die Dynamik, mehr Unsicherheit in den Menschen zu schüren und auch aufrecht zu erhalten. "Dann war es eben nicht der Richtige oder die Richtige!" – heißt es dann lapidar. Zumindest nach jeder Trennung.

Womit wird das begründet, wenn es nach genau dieser Formel geht, wenn ein Mensch bereits 5 – 10 gescheiterte Beziehungen hinter sich hat? Ist er/sie dann schlicht zu dämlich, den Richtigen oder die Richtige für sich zu finden? Was ist das bitte für eine Lebensweisheit? Diese Illusion von dieser Einen / diesem Einen, wird trotz gegensätzlicher Erfahrungen einfach aufrechterhalten. Für Betreiber von Dating-Apps und diversen Seiten natürlich eine „Never ending Goldgrube", da man so, die Masse der Personen dazu bewegt, sich gleich wieder auf diesen „ONE", diese „Eine" zu fokussieren. Und wieder beginnt erneut die Suche nach DER EINEN/DEM EINEN, der/die schon immer für einen "bestimmt gewesen" ist.

Der Standpunkt, dass Männer eine natürliche Fähigkeit zum Schutz, zur Bereitstellung und Monogamie besitzen, hat seinen Ursprung in einem sozialen und bio-psychologischen Gedankenspielen. Eine Oneitis ist kein Nebenprodukt einer Psychose. So gerne das auch viele Leute in Trennungsforen darstellen oder Experten mit Yogakursen zum Loslassen einer Exfreundin oder einem Exfreund gerne erklären.  Ich persönlich denke zum Beispiel, dass jemand, der glaubt, den richtigen Partner gefunden zu haben, der einem in vielem gleicht und mit dem eine solide Zukunft in einer stabilen Partnerschaft auf lange Sicht gesichert scheint, keineswegs als Oneitis bezeichnet werden darf. Auch dann nicht, wenn man sich in einem Trennungsfall dazu entscheidet, für diesen Mann oder diese Frau zu kämpfen. Das ist nur normal. Es ist nicht gleich Oneitis,  wenn man um eine große Liebe kämpft. Natürlich ist irgendwann auch mal Schluss damit, wenn es ersichtlich ist, dass man den Kampf verloren hat, wenn der/die Ex nichts mehr von einem wissen will, oder wenn man sich irgendwo bereits 6 x oder mehr einen Korb eingefangen hat, dann ist selbstverständlich der Rückzug geboten. Alles andere würde genau diese Grenze überschreiten, die einen eben dann doch in die Ebene der Oneitis verfrachtet.


Eine richtige Oneitis beherbergt zudem die Gefahr, regelrecht Amok zu laufen. Es entsteht eine regelrechte potenzielle Lähmung, gekoppelt mit einer Art neurotischer Verzweiflung, die eine Person regelrecht in den Wahnsinn treiben kann. Das ist DEIN „ONE oder DEINE EINE" ohne die/den Du nicht mehr glaubst leben zu können? Du bist Dir sicher, dass es NIE WIEDER so einen Menschen in Deinem Leben geben wird! Ach echt!? Schon mal solche Gedanken gehabt? Danach auch gehandelt?

Sicher gibt es Menschen, die sich begegnen und sofort wissen, das ist er/sie für den Rest meines Lebens. Wo alles einfach passt. Ich kenne solche Paare. Aber nichts muss für immer so sein. Menschen entwickeln sich weiter im Laufe des Lebens. Und manchmal gehen  eben diese vielen perfekten Gemeinsamkeiten, die gleichen Interessen, die gleichen Vorlieben für bestimmte Dinge verloren. Man fühlt sich mit seinem Partner jahrelang eins. Doch eines Tages bröselt diese gemeinsame Verbundenheit. Warum auch immer. Die Gründe dafür können sehr vielfältig sein. Doch von Beginn an sich nur auf eine bestimmte Person zu fixieren, anderen keine Chance einzuräumen, ist falsch.

Denn so eine idealisierte Beziehung, der Glaube an eine/einen ONE, behindert den offen Blick für die/den wahren einen Partner. Und wichtig ist für sein eigenes Glück, mit sich selbst zufrieden und glücklich zu sein. Es gibt vermutlich etliche Menschen, denen bereits mehrfach der passende Partner begegnete, sie/er aber auf der Suche nach dem Ideal eben genau an dieser Hürde scheitern, den/die RICHTIGE/N zu finden. Diese/r „One" die/der nur lebt, um einen glücklich zu machen, den wird es leider nur schwerlich geben. Bei Mädchen scheint es schon im Kindesalter Programm zu sein, ein Prinzesschen sein zu wollen, die von einem Traumprinzen auf einem weißen Pferd ins Glück der ewigen Liebe entführt wird. Leider sind das alles nur Märchen, die sich leider oft in den Köpfen der später Erwachsenen festgesetzt haben. 


Und Macht? Die Definition von Macht ist nicht alleine finanzieller Erfolg. Auch nicht der Status oder der Einfluss auf andere Personen, Gruppierungen oder Ähnliches. Es ist das Ausmaß, in dem wir die Kontrolle über unser eigenes Leben haben oder im Fall einer Oneitis verlieren können. Das selbstverständliche Annehmen dieser Seelengefährten Mythologie fordert ständig neue Opfer. Den Menschen muss begreiflich werden, dass dadurch nur ein „Mangelbewusstsein" in einem erzeugt wird. Ein Mangelbewusstsein, das mit zunehmenden Lebensalter die Sicht auf die wahren Fakten verblendet. Man verliert die Macht über sein eigenes ICH, über sich selbst, überlässt es anderem, sich ihrer zu bemächtigen.


In diesem Sinne…

Ich sehe was, was Du nicht siehst, das Spektrum ei...
Na!?.. Liebeskummer? Trennungsschmerzen?